Mehr Souveränität Dank Open Source Software (in Zeiten von Corona)

Wir alle wurden von der aktuellen Situation überrascht. Eine Pandemie mit umfangreichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben bisher nur sehr wenige von uns erlebt. Das diese Einschränkungen, mit der konkreten Bitte alle direkten Kontakte nach Möglichkeit zu vermeiden, auch das Berufsleben von vielen trifft, ist klar.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist jetzt also eines besonders Wichtig: Wie man mit wenig Geld und begrenzten Know-How in Zeiten des Coronavirus eine moderne Firma führen kann.

Einige Unternehmen haben hier schon lange Lösungen im Einsatz: Gerade bei Außendienstmitarbeitern, eigenem IT Support oder der Führungsriege ist ein eigener Laptop mit Virtuellem Privaten Netzwerk (VPN) und Festplattenverschlüsselung lange schon Alltag.

Doch was genau kann man jetzt tun, wenn man bisher keine Lösungen für Home Office & Videochat im Einsatz hat?

Alle großen Anbieter, wie Microsoft, Google und Cisco haben Lösungen für Unternehmen im Angebot. Eine Übersicht und ein Test verschiedener Lösungen findet man zum Beispiel in diesem Artikel von Golem.de.

Eine Datenübertragung und Analyse der persönlichen Daten finden weiterhin im Hintergrund bei Microsoft und Google statt. Eine Übersicht über die verschiedenen Speicherorte wurde zum Beispiel in dem Artikel Microsoft Teams – Wo sind meine Daten? zusammengefasst. Auch kann man Google Hangouts nicht nutzen, ohne die komplette G Suite abonnieren zu müssen. Ebenfalls bietet Google keine Ende zu Ende Verschlüsselung von Videotelefonaten an. Also sitzt man stellenweise gläsern im eigenen Büro zu Hause. Welche Daten dabei von geteilten und vielleicht sensiblen Dateien abgegriffen werden ist nicht nachvollziehbar.

Frei nach dem Motto: Eine Cloud ist immer noch der Computer anderer Leute.

Die Alternative: Open-Source Tools, entweder im eigenen Betrieb oder durch Partner in der Umgebung. Nextcloud ist hier ein sehr gutes Beispiel.

Was genau ist Open-Source?

Software wird programmiert. Doch ähnlich wie damals im Mathematikunterricht ist es bei Open-Source Software jederzeit möglich in die Berechnungen und den Code selber zu schauen. Sicherheitslücken können so schneller und besser gefunden, selber gelöst und bestimmte Funktionen ausgeschaltet oder hinzugefügt werden. Anders als bei Closed-Source Software, wie Microsoft Windows 10 zum Beispiel, ist es auch möglich nachzuvollziehen ob und welche persönlichen Daten irgendwohin transferiert werden.

Open-Source Software steht für Freiheit und Souveränität

Freie Software gibt allen das Recht, Programme für jeden Zweck zu verwenden, zu verstehen, zu verbreiten und zu verbessern. Diese Freiheiten stärken andere Grundrechte wie die Redefreiheit, die Pressefreiheit und das Recht auf Privatsphäre.

NEXTCLOUD – ein Paradebeispiel

Das Softwareunternehmen aus Karlsruhe bietet mit Nextcloud Hub (Version 18) eine komplette Groupware inklusive Videotelefonie/Chat, Dateispeicher, der gemeinsamen Bearbeitung von Office Dokumenten im Browser, Einbindung von Kalendern und Mailaccounts und einer riesigen Sammlung von Apps zur zielgenauen Erweiterung und Anpassung auf die Eigenheiten des Unternehmens. Dadurch lassen sich zum Beispiel Röntgenbilder nach dem aktuellen DICOM Standard nativ anzeigen, GPS-Steckendateien analysieren und vergleichen oder Diagramm mittels Draw.io gemeinsam angelegt werden.

Nextcloud konnte die Ausschreibung des Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund) zur Bundescloud für sich entscheiden. 300.000 Menschen in den Ministerien und anderen Einrichtungen des Bundes werden die Bundescloud mit der Nextcloud-Software nutzen. Im August 2019 wurde bekannt, dass die Behörden der drei EU-Staaten Frankreich, Schweden und Niederlande zukünftig Nextcloud ebenfalls für eine eigene Cloud einsetzen werden. Allein das französische Innenministerium plant, Nextcloud für 100.000 Mitarbeiter einzusetzen.

Nextcloud hat mehrere Partner in Deutschland welche bei der Umsetzung von Projekten gerne helfen, auch in Leipzig.

Diese Entscheidung geht endlich in die richtige Richtung

Öffentliches Geld muss auch für öffentliche Software eingesetzt werden, anstatt für die komplizierte Miete einer Schwarzen Box, von der keiner 100% weiß was sie tut. Die Kampange „Public Money? Public Code!” fasst dieses Prinzip auf ihrer Website sehr gut zusammen. Das folgende Video versucht die Problemlage die in so vielen Städten und Gemeinden immer wieder auftaucht, zu visualisieren:

Public Money? Public Code! (Deutsch)
Public Money? Public Code!

Ganz konkrete Vorteile sind:

  • Steuereinsparungen: Ähnliche Programme müssen nicht komplett neu programmiert werden.
  • Zusammenarbeit: Bei großen Projekten können Expertise und Kosten geteilt werden.
  • Allgemeinwohl: Von der Allgemeinheit bezahlte Anwendungen sollten allen zur Verfügung stehen.
  • Innovationen fördern: Dank transparenter Prozesse müssen andere nicht das Rad neu erfinden.

Da man nicht bei allen Dingen das Rad neu erfinden muss, möchte ich hier gerne folgende Beiträge verlinken:

  1. Produktiv trotz Corona: Der kostenlose t3n Guide zum Umzug ins Homeoffice
    “Aufgrund der Corona-Pandemie wechseln auch in Deutschland ganze Unternehmen ins Homeoffice. Doch wie geht das eigentlich – und was müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer dabei beachten?”
    Kommentar: 30 Seiten, sehr gut recherchiert, unabhängige Redaktion und das ganze unter CC BY-NC-ND 2.0-Lizenz veröffentlicht – genau so muss das laufen!
  2. Homeoffice: Neuer Laptop und Co. machen sich steuerlich bezahlt
    Die Corona-Krise verbannt viele Arbeitnehmer ins Homeoffice. Wer dafür seine technische Ausrüstung erneuern muss, sollte die Rechnungen aufheben. Denn das Finanzamt kann an den Kosten beteiligt werden.
  3. Warum Microsoft Teams jede Effizienz vernichtet

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