Über Freud und Leid der Leipziger Wildvögel und was wir gegen die Biodiversitätskrise in unserer Stadt tun können

Zu sehen sind Daniel und ein Workshop-Teilnehmer in Rückenansicht in der Mitte steht Karsten und zeigt etwas

Die Lebensräume für Insekten, Wildvögel und andere Tiere werden in unserer Stadt immer knapper und auch in Leipzig ist ein Rückgang von Arten zu verzeichnen, die eigentlich als häufig vorkommend galten. Die Biodiversitätskrise wird spürbar. Daher haben wir im Grünen Quartier vergangene Woche einen Nistkasten-Workshop organisiert und uns Karsten Peterlein von der Wildvogelhilfe Leipzig eingeladen. 

Karsten ist als ehrenamtlicher Vogelnotretter in Leipzig und Umland unterwegs und rettet im Jahr ca. 300 Wildvögeln das Leben. Er kennt sich bestens mit den Bedürfnisse der Tiere aus und beobachtet die Populationsentwicklung in Leipzig mit zunehmender Sorge.

Zusammen mit vielen engagierten Vogelfreund:innen haben wir insgesamt zehn Nistkästen gebaut, die hoffentlich bald von Haussperling, Meise, Kleiber und Co. für die Aufzucht des Nachwuchses in Anspruch genommen werden und einen kleinen Beitrag dafür leisten, die Populationen in der Stadt zu stabilisieren. 

Gefährdete Vogelarten in Leipzig

Denn: selbst Haussperlinge mussten vom Nabu in Leipzig auf die Vorwarnstufe gesetzt werden! Immer mehr Lebensräume gehen in der Stadt durch Baummaßnahmen verloren. Dies betrifft besonders Heckenstrukturen in Hinterhöfen, die zu häufig Pkw-Stellplätzen weichen müssen. Ein Beispiel für einen eklatanten Verstoß gegen Natur- und Denkmalschutzrecht, war in diesem Frühjahr die illegale Rodung der Hecke am Scheibenholz, die in der Stadt zu Recht für einen Aufschrei sorgte.

Besonders erschreckt hat mich, dass einer der am häufigsten vorkommenden Gartenvögel wie die Amsel in Leipzig immer seltener wird. Neben dem Verlust von Hecken als Lebensraum, machen Klimawandel und Insektensterben der Amsel zusätzlich Probleme bei der Aufzucht der Jungen. Denn Dürresommer erschweren es, im harten, trockenen Boden Regenwürmer zu finden, die sie für die Brutfütterung dringend benötigt. 

How to build a Nistkasten?

Im Gepäck hatte Karsten vorgesägte Nistkasten-Baupakete und weitere Ansichtsexemplare wie Betonnistkästen oder Schwalbennisthilfen, sowie zwei beeindruckende Pappmaché-Figuren von Turmfalke und Haussperling. Das Nistkastenset und die fertigen Kästen sind über den Nabu-Shop bestellbar.

Zu sehen sind verschiedene Nistkästen aus Holz und Beton sowie zwei Vogelfiguren aus Pappmaché

Für das Baukastenset braucht ihr eigentlich nur eine Bohrmaschine, einen Akkuschrauber, Schrauben und etwas Gehirnschmalz, wo ihr die Schrauben richtig setzt.

Ein Tipp: zwar sollte die Holzklappe für das jährliche Säubern des Nistkastens im Herbst zu öffnen sein, gleichzeitig mit einer Sicherheitsschraube geschlossen werden, um das Nest für Waschbären und anderen Feinden zu schützen. Eben diese werden angelockt, wenn Vogelnester zu nah am Nistkasten entsorgt werden. Bitte achtet daher bei der Entsorgung auf genügend Abstand. Wenn ihr über die Betreuung von Nistkästen noch mehr erfahren wollt, schaut bei der Lernplattform Nabu Wissen vorbei, dort wird ein eigener Online Kurs zum Thema angeboten.

Für das Befestigen der Kästen haben wir dicken Draht verwendet, den wir vor dem Anbringen des Dachs durch zwei Löcher an den Seitenwänden gezogen haben. Die  Länge des verwendeten Drahts richtet sich nach der Astdicke, an welchem die Nisthilfe befestigt werden wird. Daher überlegt gerne im Vorfeld, wo ein günstiger Ort für die Bruthilfe sein könnte. 

Welcher Ort eignet sich für das Aufhängen der Nistkästen?

Wir haben gelernt, dass die Kästen nur dort sinnvoll aufgehangen werden sollten, wo auch genügend Nahrung für Vögel vorhanden ist. Besonders gut eignen sich daher naturnahe Gärten mit genügend heimischen Blühpflanzen, die insektenfreundlich gestaltet sind.

Daher liegen bei uns im Quartier auch immer Nabu-Blühsamentütchen aus und ihr seid herzlich eingeladen euch welche mitnehmen, wenn ihr mal in der Gegend seid!

Bei der Hängung der Kästen spielt der Schutz vor Nesträubern ebenfalls eine Rolle. Die Mindesthöhe sollte 2,5 m betragen. Weitere Tipps für die artgerechte Hängung der Kästen findet ihr zusammengefasst vom Nabu/ Baden-Wuerttemberg.

Danke an Karsten für den Workshop und dein Engagement für die Wildvögel in Leipzig. Wir haben die Wildvogelhilfe im Rahmen der Veranstaltung mit einer Spende unterstützt. Wenn ihr Karsten und sein Team ebenfalls unterstützen möchtet, dann findet ihr hier die Details zum Spenden. 

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