Rede: Digitale Bildung und Medienbildung fortentwickeln – Open Source-basierte Schul-Cloud einrichten

Meine Rede im Sächsischen Landtag zum Antrag der Fraktionen CDU, BÜNDNISGRÜNE und SPD zum Thema: „Digitale Bildung und Medienbildung fortentwickeln – Erfahrungen aus der Corona-Krise nutzen“

22. Sitzung des 7. Sächsischen Landtags, Mittwoch, 03.02.2020, TOP 7

– Es gilt das gesprochende Wort –

Rede im Landtag: Digitale Bildung und Medienbildung fortentwickeln

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

Ich würde in meinem Redebeitrag auf einen Punkt des Antrags genauer eingehen, nämlich warum die Schul-Cloud unbedingt auf Open Source-Software basieren sollte.

Betrachten wir die Corona-Warn-App, so sehen wir, dass Open Source, also öffentlich zugänglich und kontrollierbare Software, zu wesentlich mehr Transparenz, Sicherheit, zu einer gesteigerten Akzeptanz und damit vor allem auch Wirksamkeit geführt hat. Genau diese Eigenschaften wünschen wir uns alle auch für eine Schul-Cloud. Doch worin genau liegt nun der Vorteil von Open Source-Software?

Ich versuche das mal plastisch an einem Beispiel durchzuspielen, das sie vermutlich alle kennen. Stellen wir uns dazu einmal ein Auto vor, bei dem nur der Hersteller weiß, wie man es reparieren kann. Das ist aktuell auch leider die Tendenz. Im Falle eines Schadens können wir deswegen nicht eine freie und günstigere Werkstatt aufsuchen, sondern wir müssen in die teure Werkstatt des Herstellers gehen. Doch dort erfahren wir, dass es schon längst ein Nachfolge-Modell gibt und Reparaturen für das alte Modell nur noch gegen einen hohen Aufpreis angeboten werden. Oder noch schlimmer, der Hersteller bietet gar keine Reparatur mehr für das Modell an oder ist mittlerweile insolvent. Nun lässt sich das Auto gar nicht mehr reparieren. Es ist nur noch ein Haufen Schrott, weil keiner weiß, wie man es reparieren kann. Wäre der Bauplan jedoch frei verfügbar, könnten wir einfach in eine andere Werkstatt gehen und es dort reparieren lassen.

Genau hier setzt der Vorteil von Open Source-Software an. Weil der Quellcode, der Bauplan also, frei zur Verfügung steht, kann die Software jederzeit an die eigenen Bedürfnisse angepasst und im Notfall selbst weiterentwickelt werden. Dies stärkt nicht nur unsere eigene digitale Souveränität, indem wir unabhängiger gegenüber den Herstellern werden und so Lock-in-Effekte vermeiden. Beauftragen wir dann auch noch regionale Unternehmen mit der Anpassung und Erweiterung, fördern wir gleichzeitig den Software-Standort Sachsen, eine klassische Win-Win-Situation sozusagen. Langfristig führt das Ganze dann übrigens auch noch zu Kosteneinsparungen und mehr Planungssicherheit.

Statt für die Lizenzgebühren kommerzieller Software zu bezahlen, sollten wir lieber in nachhaltige Infrastrukturen für unsere Schulen investieren, frei nach dem Motto „Wenn es sich um öffentliche Gelder handelt, sollte auch der Quellcode öffentlich sein“. Kurzum: Von allen bezahlte Software sollte auch für alle verfügbar sein. Und übrigens, 90% aller deutschen Hochschulen setzen für ihre Lernmanagement-Systeme Open Source-Software ein. Im internationalen Vergleich ist das ein Alleinstellungsmerkmal. Ein großer Teil der Anwendungen, die innerhalb der Cloud schon zum Einsatz kommen, nämlich OnlyOffice, Nextcloud, BigBlueButton und EtherPad, sind bereits Open Source-Software. Lassen sie uns das in Zukunft noch weiter ausbauen!

Vielen Dank!

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