Meine Antworten an die Freie Presse zum Teil-Lockdown

Am 3. November 2020 veröffentlichte die Lokalredaktion Aue/Schwarzenberg der Freien Presse eine Befragung, in der sie mehrere Landes- und Bundespolitiker, welche das Erzgebirge vertreten, zum Teil-Lockdown befragten. Unter anderem wurde auch mir dazu Fragen gestellt.

Im Beitrag sind jedoch nicht die vollständigen Antworten von mir veröffentlicht. Außerdem steckt der Beitrag hinter einer Paywall. Aus diesem Grund veröffentliche ich hiermit die Fragen und meine Antworten darauf:

Wie stehen Sie zum neuerlichen Lockdown? War er nötig?

Für mich, als gebürtigem Schlemaer, sind die getroffenen Maßnahmen längst überfällig. Allein die Infektionszahlen in der Altersgruppe 60+ waren schon am 28.10. überdurchschnittlich hoch (Die Inzidenz der Altersgruppe 60+ war am 28.10. bei über 90 Fällen/100.000 Einwohner/7-Tage). Wir können davon ausgehen, dass dies zu einem massiven Anstieg der Bettenbelegung in den Krankenhäusern führen wird. Auch ist es zu einer erhöhten Sterblichkeit im Erzgebirge gekommen. So gehen rund 27% der Corona-Todesfälle in Sachsen auf das Erzgebirge zurück, obwohl dort nur 8% der Menschen leben. Wir brauchen deshalb eine langfristige Gesamtstrategie. Daran müssen die Parlamente beteiligt werden. Nur einfache, einheitliche und klare Regeln schaffen Akzeptanz und helfen dabei, die Pandemie zu stoppen.

Gibt es Einschnitte, die Sie als problematisch erachten?

Es ist für mich gut nachvollziehbar, dass die Kultur- oder Gastronomiebranche trotz erfolgreicher Hygienekonzepte über die Einschnitte sehr unzufrieden ist. Gleichzeitig wissen wir aktuell nicht, wie 75% der Infektionen übertragen werden. Wir müssen unsere Kontakte deswegen drastisch senken und klären, in welchem Umfeld die meisten Infektionen erfolgen. Der Bund lässt aber niemanden im Regen stehen: Die gezahlte außerordentliche Wirtschaftshilfe ist vermutlich größer als der Umsatz in der aktuellen Phase der Pandemie erwartbar gewesen wäre.
Was ich jedoch für problematisch erachte, ist die mangelnde Tranzparenz in der Infektionsstatistik des Erzgebirgskreises. Leider erteilt das Landratsamt keine Auskunft zur Anzahl der Corona-Infizierten in den einzelnen Städten und Gemeinden. Hier muss dem Informationsbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger Rechnung getragen werden. Gerade auch Bürgermeisterinnen benötigen verbindliches Datenmaterial, um eine Lageeinschätzung in ihrer Kommune vornehmen zu können. Wie sonst sollen jene beurteilen, welches Gefährdungspotential z. B. von vorweihnachtlichen Veranstaltungen ausgehen könnte?

Wie bewerten Sie die Zeitdauer von einem Monat? Ist das zu lang, zu kurz?

Änderungen am Infektionsgeschehen lassen sich leider immer erst nach 10-14 Tage wirklich feststellen. Die Verbreitung des Virus im Freistaat ist größer und die Zahlen deutlich höher als bei der ersten Welle im Frühling. Vier Wochen können eine sehr lange Zeit sein. Jedoch zu suggerieren, dass die Maßnahmen vor diesem Hintergrund schon ausreichen werden, halte ich für kritisch. Ein Erfolg ist nicht garantiert. Ich wünsche mir, dass wir alle die Maßnahmen ernstnehmen und auf einander achtgeben, damit dieses Weihnachten mit allen Familienangehörigen gefeiert werden kann.

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