Am 29.03.2025 war der Internationale Tag des offenen Hackspaces. Da an dem gleichen Wochenende auch die Leipziger Buchmesse stattgefunden hat, dachte ich mir, warum nicht auch eine Lesung in der dezentrale organisieren? Da ich über netzpolitik.org mitbekommen hatte, dass Ingo und dessen Ko-Autor Sven Hilbig ihr neues Buch „Digitaler Kolonialismus – Wie Tech-Konzerne und Großmächte die Welt unter sich aufteilen” gerade veröffentlicht haben, warum sie nicht fragen, ob sie Zeit und Lust auf eine Lesung haben? Und was soll ich sagen? Es hat alles geklappt. Es gab sogar einen Büchertisch!
Für alle die Ingo nicht kennen, er ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2016 ist er Redakteur bei netzpolitik.org und u.a. Ko-Host des Podcasts Off/On. Wer den nicht kennt, unbedingt mal austesten. Er schreibt häufig über Datenmissbrauch und Datenschutz, Big Tech, Plattformregulierung, Transparenz, Lobbyismus, Online-Werbung und vieles mehr. 2024 wurdest er mit dem Alternativen Medienpreis und dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet.
Das Buch selbst befasst sich mit 7 verschiedenen Bereichen, in denen es koloniale Strukturen ausmacht, darunter Infrastruktur, Geopolitik, Repression Datensammlung und Arbeitskraft. Ich habe mit Ingo vor allem über die folgenden Themen diskutiert:
- Geisterarbeiter:innen hinter KI und Content Moderation
- Umwelt und Rohstoffe
- Digitale Repression
Wir haben nach der Lesung dann auch gemeinsam mit dem Publikum diskutiert, warum der „Westen” so gern wegschaut, wenn es um Content-Moderation und AI-Training geht, warum die Tech-Konzerne all ihre Pariser Klimaziele für AI über Board werfen und warum der Westen sich scheinbar mit Blick auf die Chatkontrolle, Palantir oder die Angriffe auf die Verschlüsselung in den UK aus dem Playbook der Autokraten bedient.
Alles in allem war es trotz des eher düsteren Themas eine wirklich tolle Veranstaltung und ich danke Ingo, dass er unserer Einladung gefolgt ist. Ich finde es wirklich bemerkens- und dankenswert, dass Menschen wie er und sein Koautor Sven Hilbig sich dem Thema „Digitaler Kolonialismus” annehmen und diese teils verborgenen Machenschaften schamlos offenlegen. Manchmal mag es einem erscheinen, als ob alles zu viel ist, aber wenn man nicht weiß wogegen bzw. wofür man kämpft, hat man schon verloren. Es ist daher umso wichtiger, dass es solche Analysen gibt, die einem klar die Richtung zeigen.
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